Klassenfahrt-Anzahlung: Dienstag fällig, sagt der Zettel
Die Jugendherberge im Harz will bis Freitag die Anzahlung für die Klassenfahrt, vier von 26 Familien haben überwiesen, die Kassenwartin rechnet nachts.
Tomasz Żyłka · 3 Min. Lesezeit
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Auf dem Zettel stand: "Anzahlung bitte bis Dienstag." Welcher Dienstag, stand nicht darauf. Der Zettel hatte die Reise vom Ranzen auf den Küchentisch in vier Tagen und drei Pausenbroten geschafft, und trug am unteren Rand einen Abdruck, den ich als Mayonnaise gedeutet habe.
Ich bin Kassenwartin der 4a. Ich habe das freiwillig gemacht. Das ist die Art Satz, die man auf Elternabenden sagt, wenn alle anderen auffällig auf ihre Schuhe schauen.
Der Bus steht auf einem Versprechen und vier Überweisungen
Die Lage am Donnerstag, 20:15 Uhr: Die Jugendherberge im Harz möchte bis Freitag eine Anzahlung. Das Busunternehmen möchte bis Freitag eine Zahl. Ich möchte bis Freitag einen Kaffee, der nicht aus dem Automaten im Flur kommt.
Bestätigte Eingänge: vier. Sechsundzwanzig Kinder.
Es gibt in Deutschland eine Naturkonstante, ich nenne sie die Nachtvor-Konstante: Gefühlt die Hälfte aller Eltern überweist am Abend vor der Frist. Nicht aus Böswilligkeit. Aus Gründlichkeit. Man will ja erst noch einmal prüfen, ob der Betrag wirklich stimmt, ob man ihn wirklich selbst zahlen muss, und ob der Verwendungszweck vielleicht noch irgendwo gebraucht wird.
Der Verwendungszweck, ein Gedicht in sechs Teilen
Im Lauf des Abends trafen ein:
- "Klassenfahrt" (von jemandem, der eindeutig Vertrauen in mich hat)
- "Fahrt Lena" (welche Lena? Es sind drei)
- "Anz."
- "wie besprochen"
- "Danke und liebe Grüße!" (mit Ausrufezeichen; ich habe es gerahmt)
- ein leeres Feld, das erstaunlich viel ausdrückte
Ich weiß nun, dass man ohne Verwendungszweck überweisen kann, so wie man ohne Regenschirm in den Harz fahren kann: geht, aber man weiß hinterher, wer es war, an den nassen Socken.
Ein kurzer Exkurs über Kraniche
Kraniche ziehen im Oktober über unser Haus, in Keilen, und alle Welt bleibt auf der Straße stehen und schaut. Wer führt, wird übrigens regelmäßig abgewechselt, ohne Abstimmung, ohne Gruppenchat, ohne dass einer fragt, ob man das nicht besser per Umfrage lösen könnte. Wir Eltern bringen es auf zwölf Nachrichten, bis wir uns auf einen Treffpunkt am Bahnhof geeinigt haben. Die Kraniche fliegen nach Spanien.
Gut. Zurück zur Anzahlung.
Donnerstag, 23:52 Uhr
Die Hälfte kam, wie vorhergesagt, gegen Mitternacht. Zwei Familien hatten den Betrag gerundet. Eine hatte ihn halbiert, "weil das ja nur eine Anzahlung ist", was logisch klingt, aber leider nicht die Zahl war, die die Jugendherberge verlangte. Ich schrieb: "Alles gut, schau einfach noch mal auf den Zettel." Sie antwortete mit einem Daumen. Zwischen Menschen ist ein Daumen eine vollständige Vertragsurkunde.
Dann saß ich mit einer Tabelle namens Klassenfahrt_Anzahlung_final_NEU2.xlsx und rechnete. Der Saldo war achtzig Cent zu klein. Sie steckten nicht in der Tabelle, sondern in einer Überweisung mit dem Betreff "Anz.", und die Überweisung steckte in einem Kontoauszug, den ich erst im Pyjama gefunden habe. Dann stimmten die Bücher, und ich ging ins Bett wie jemand, der einen Krimi gelöst hat, in dem es nur um achtzig Cent ging.
Fußnote
¹ ClassKasa, falls es jemand wissen will: ein Link für alle Familien, jeder sieht in seiner Sprache, was fällig ist, überwiesen wird ganz normal per SEPA, und wer schon gezahlt hat, sieht nur die Kassenwartin (häufige Fragen). Premium gilt pro Klasse, nicht pro Elternteil (Preise); auf 25 Familien verteilt sind das Centbeträge. Mehr zum Thema steht in unserem Ratgeber zur Klassenkasse.
Der Bus ist gebucht. Die Jugendherberge hat ihre Anzahlung, und einmal mehr ohne Mahnschreiben. Ein Vater hat mir inzwischen dreimal zugesichert, er habe "ganz bestimmt gestern überwiesen".
Hatte er nicht. Er hat gestern überwiesen. An die falsche Lena.